Ford Südafrika – SAMCOR
Der
erste Ford, der nach Übersee exportiert wurde, ging nach Südafrika. 1903
erwarb Arthur Youldon aus Johannesburg ein Model A
während seines Aufenthalts in New York. Erst drei Monate zuvor hatte
Youldon die Rechte als Importeur erworben. Bald darauf eröffnete auch
ein Ford Händler in Kapstadt seine Tore.
1905 erhielt ein gewisser Paul Henwood in Durban einen Brief von Henry
Ford. In diesem fragte der Autopionier den südafrikanischen
Geschäftsmann, ob dieser am Vertrieb der neuartigen Automobile
interessiert sei. Mr Henwood lehnte das Angebot ab, obschon Automobile
sicher gut in sein Landmaschinen Sortiment gepasst hätten. So ging der
Zuschlag an Arkell & Douglass in Port Elizabeth. Ford fand 1911 in
Kapstadt in dem Franzosen Georges Chapart einen zusätzliche
Verkaufsagenten, weitere folgten in Johannesburg und Bloomfontein.
Ford
Werk Südafrika 1923
Um
die enorme weltweite Nachfrage nach dem Modell T zu
befriedigen, begann Ford mit dem Bau von Werken außerhalb der
Vereinigten Staaten und gründete Ford of Canada, das Fahrzeuge an die
Märkte des britischen Commonwealth, einschließlich Südafrika, lieferte.
Das T-Modell wurde schnell zum beliebtesten Auto Südafrikas und es war
nur eine Frage der Zeit, bis die Entscheidung fiel, mit der Montage von
Fahrzeugen in Südafrika zu beginnen.
Im November 1923 wurde die Ford Motor Company of South Africa in Port
Elizabeth (heute Gqeberha) gegründet. Sie fungierte als
Tochtergesellschaft von Ford Kanada und nutzte die gut ausgebauten See-,
Schienen- und Straßenverbindungen der Stadt. Die Arbeiten zum Umbau
eines Wolllagers in der Grahamstown Road begannen. Es wurde das 16. Ford
Montagewerks außerhalb der USA. Die T-Modell begannen mit aus Kanada
importierten CKD Bausätzen. Dieser Schritt machte Ford nicht nur zum
ersten Fahrzeughersteller in Südafrika, sondern führte auch das erste
Fließband in Afrika ein. Der Montagebetrieb begann am 19. Januar 1924
mit einer geplanten Stückzahl von 10 Wagen pro Tag, und die ersten lokal
produzierten Modelle kamen im März desselben Jahres in den Verkauf. Das
Unternehmen beschäftigte 21 Mitarbeiter im Büro sowie 70 Mitarbeiter im
Montagewerk und stellte in den ersten 12 Monaten 1.446 Fahrzeuge her.
Aus den hölzernen Transportkisten werden Hütten in Schoenmakerskop
gebaut. Ab 1924 boten Anzeigen Fünfsitzer Tourenwagen (mit Anlasser und
„voll ausgestattet“) ab 165 Pfund, Lieferwagen ab 145 Pfund und einen
1n-Tonner LKW für nur 150 Pfund an. Ford dominierte fortan den
südafrikanischen Markt. Ende 1925 gab es 18.118 zugelassene Ford im
Land, was fast dreimal so viel war wie der nächstgrößere Hersteller.
Ende 1926 begann Ford, seine Fahrzeuge in unterschiedlichen Farben
anzubieten, darunter „Deep Mole“ und „Dark Green“. In diesem Jahr
produzierte das Werk insgesamt 2.069 Pkw und 1.093 Lkw.
Ford wuchs bald aus dem alten Wollgeschäft in Port Elizabeth heraus. Im
Oktober 1930 zog die Ford Motor Company of South Africa in ein neues
Werk in der Harrower Road um, das 7.032 m² groß war und damals eine
Million Rand kostete. Man begann man mit der Model A Produktion von
täglich 90 Fahrzeugen.
Im September 1935 wurde die National Association of Automobile
Manufacturers of South Africa (NAAMSA) mit Ford als Gründungsmitglied
gegründet, und fast neun Jahrzehnte später bleibt die Organisation ein
Eckpfeiler der Branche. Mitte der 30er Jahre erstreckt sich das Ford
Händlernetz über die westafrikanische Goldküste, Nigeria, Rhodesien,
Ost-Afrika, Madagascar und Mauritius.
In den folgenden Jahren wurde das Ford-Werk in Harrower Road mehrfach
erweitert und erreichte 1937 eine Größe von 14.896 qm unter einem
einzigen Dach. Zwei Jahre später wurde es durch eine zusätzliche Fabrik
mit weiteren 7.056 qm ergänzt.
Die Stückzahlen konnten gesteigert werden, 1940 baute Ford in Südafrika
23.550 Fahrzeuge, davon waren 18.349 Armee LKW. Im Zweiten Weltkrieg
wurde die Produktion trotz der deutschen U-Boot Blockade nicht
eingestellt, knapp 60.000 Fahrzeuge konnten an die Armee geliefert
werden. Zudem wurden Tragflächen für Trainingsflugzeuge der
südafrikanischen Luftwaffe gebaut. Die Nachkriegsproduktion wurde im
Juni 1946 wieder aufgenommen und Ford baute in der zweiten Jahreshälfte
3.446 Autos und 2.005 Lastwagen.
1947 expandiert Ford weiter, als mit dem Bau eines neuen Werks im Neave
Industrial Township begonnen wurde. Die neue Anlage im Wert von 2
Millionen Rand wurde am 1. Oktober 1948 von General Smuts offiziell
eröffnet. Sie bot 1.100 Arbeitsplätze und belegte 50.000 qm des 200.000
qm großen Geländes. Sie war das größte Werk unter einem Dach in
Südafrika.
1954 wird für 1 Million Rand ein moderner Verwaltungsblock in das Werk
integriert. Das Werk in Neave produzierte Fairlane,
Zephyr, Zodiac, Anglia, Prefect, Consul,
Escort, Granada
und dem Capri. Außerdem wurden die Thames-
und Louisville- Lastwagen sowie die Fordson Major-Diesel Traktoren
montiert, die in ganz Afrika südlich der Sahara exportiert wurden.
Alle drei dieser frühen Ford-Werke, einschließlich des ursprünglichen
Wolllagers, existieren noch heute, wurden allerdings im Laufe der Jahre
umfunktioniert und an neue Eigentümer verkauft.
Bis in die 60er Jahre deckte das Werk einen Großteil des PKW Bedarfs für
Südafrika und Kenia ab und erreichte Marktanteile bis 28 Prozent. 1.300
Werker und 380 Angestellte waren dort beschäftigt. 1962 kündigte Ford
Investitionen in Höhe von 4 Millionen Rand an. Dazu gehörte der Bau
eines Teilelagers in Struandale, die Erweiterung des Werks Neave mit
Motoren Montagelinie und eine neue Teststrecke.
T-Modell
Fertigung in Port Elizabeth
Im
Oktober 1963 investierte Ford weitere 8 Millionen Rand in eine
Motorenfertigungsanlage. Das Struandale Motorenwerk wurde im Mai 1964
von Henry Ford II offiziell eröffnet und war damit das erste
Automobilwerk Südafrikas, das Motoren für Pkw und Lkw herstellte. Es
beschäftigte 300 Mitarbeiter und die Produktion begann mit dem
3,0-Liter-Essex-V6-Motor, darüber hinaus produzierte das Werk die Essex
1,7- und 2,0-Liter-V4-Motoren sowie 1,3- 1,6-Liter-Kent-Motoren.
Neben den englischen PKW wie Cortina und Anglia, die im Rechtslenker Land Südafrika
montiert wurden, konnten die Kunden aber auch den Taunus
kaufen, der in zuvor im Ford Werk Amsterdam auf Rechtslenkung umgebaut
wurde. Von der "Badewanne" entstanden für den
südafrikanischen Markt 500 Pick-Up.
Fords Südafrika erhielt 1966 einen weiteren Aufschwung, als das
Unternehmen ein 3.400 Hektar großes Gelände, bekannt als Rietkuil Farm,
neben dem kleinen St. Alban’s Flugplatz westlich von Port Elizabeth
kaufte. Es wurde ein Testgelände im Wert von 2 Millionen Rand gebaut,
das vier Teststrecken mit unterschiedlichen Oberflächen umfasst. Im Jahr
1968 wurde eine eigens dafür konzipierte Produktentwicklung
eingerichtet, die Modelle entwarf, die es so nur in Südafrika gab. Dazu
gehörten verschiedene Versionen des Cortina Bakkie (Pick-up) und des
1983 eingeführten Bantam Bakkie, der als erstes Fahrzeug den
prestigeträchtigen Shell Design Preis gewann.
Aus
Johannesburg stammt der Perana. Basil Green Motors baute V8 Motoren in
die Capri und sorgte im Tourenwagensport auch außerhalb Afrikas für
Furore. Vater des Perana war nicht Basil Green, sondern Ronnie Rosin,
der die Leitung des Projekts hatte. Green wurde seitens Ford Südafrika
mit Capri 3000 Rohkarossen beliefert. Der Motor war ein 302 Windsor V8,
als Getriebe kam entweder ein 4-Gang Toploader oder die 3-Gang-Automatik
aus dem Mustang zum Einsatz. Der Anlasser kam aus dem F250. Das
Borg Warner Differential stammt aus dem Fairlane. Der Perana bekam einen
größeren Kühler und stärkere Federn mit zwei Zoll Tieferlegung. Es gab
den Perana in „Daytona Yellow“ (Gelb) und „Piri Piri Orange“ und evtl.
ein paar Sonderanfertigungen, so war z.B. Basil Greens Auto grün.
Erhältliche Extras waren Schalensitze, Heckjalousie, Heckspoiler,
Frontspoiler und Motorhaubenverschlüsse. Insgesamt sind 536 dieser Capri
entstanden, doch auch heute noch werden einige wie früher umgebaut.
Green beschränkte sich jedoch nicht nur auf Capris, neben frisierten
Cortina und Escort entstanden auch V8 Granada mit dem Perana Schriftzug.
Hier wurden auch die Servolenkung, Federung und der Kühler dem 220 PS
starken V8 angepasst. Ford lieferte nicht nur die Teile, sondern sorgte
in Südafrika auch für den Perana Vertrieb mit voller Werksgarantie.
In den 60er und 70er Jahren veranlasste die boomende Automobilindustrie
Ford, 9,25 Millionen Rand in ein Struandale Montagewerk neben dem
Motorenwerk zu investieren. Dieses speziell für die Cortina Produktion
konzipierte Werk nahm 1973 den Betrieb auf und verfügte über eine
anfängliche Produktionskapazität von 110 Einheiten pro Tag und
beschäftigte fast 1.200 Mitarbeiter. Die Produktion des Cortina wurde
bis 1983 fortgesetzt und in Südafrika wurden mehr als 303.000 Einheiten
verkauft. Ford betrieb außerdem ein Lkw-Werk in Deal Party Estate, das
die Endmontage seiner D-Serie- und F-Serie-Lkw mit Teilen aus dem
Neave-Werk durchführte.
1976 produzierte die Ford Motor Company of South Africa ihr
einmillionstes Fahrzeug. Nach dem Einstieg bei Mazda 1978 werden einige
südafrikanische Ford wie der Laser auch auf Mazda Basis gebaut, was aber
auch nicht half die geplanten Stückzahlen zu erreichen.
Der politische Umbruch der 1980er Jahre führte dazu, dass Ford
Verhandlungen mit Amcar (dem Nachfolger der Sigma Motor Corporation) und
Anglo American aufnahm. Diese Diskussionen gipfelten in der Gründung der
South African Motor Corporation (SAMCOR) im Januar 1985, die die lokalen
Produktions-, Vertriebs- und Verkaufsaktivitäten von Ford übernahm.
Fords 40-prozentiger Anteil an SAMCOR wurde schließlich auf eine
Stiftung übertragen, die anschließend einen großen Teil der Anteile an
seine schwarzen Mitarbeiter verteilte –damals beispiellos. Dieser
Schritt führte dazu, dass die gesamte Fahrzeugmontage von Ford nach Port
Elizabeth verlagert und im SAMCOR-Werk östlich von Pretoria,
konsolidiert wurde. Das Werk war zuvor Teil von Sigma und fungierte in
erster Linie als Chrysler-Werk, bevor es später in Amcar überging. Das
Struandale-Motorenwerk blieb in Port Elizabeth, wo es noch heute
besteht.
Aufgrund der Sanktionen und der Isolation während der Apartheid mussten
die Ingenieure innovative Lösungen entwickeln, um die Modellpalette
attraktiv und wettbewerbsfähig zu halten. Es entstanden zahlreiche
Autos, die heute sehr begehrt sind. Dazu gehören der Cortina XR6
(einschließlich seine Interceptor- und Team Ford- oder TF-Varianten),
der Sierra XR6, die späteren 3.0i RS Sierra- und Sapphire-Modelle mit
Einspritzanlage und natürlich der nur 250 mal gebaute Sierra XR8, mit
seinem vom Mustang abgeleiteten 5,0-Liter-V8 Motor.
In den 80er Jahren wird der Druck auf den amerikanischen Konzern immer
größer, sich aus dem Apartheid Staat zurückzuziehen. Das Werk in Port
Elizabeth wird 1985 geschlossen. 1988 beendigte man daher vorerst alle
Tätigkeiten in Südafrika, kehrte aber nach dem Ende der Apartheid 1994
sofort wieder zurück. Im Jahr 1994 erwarb Ford von Anglo American eine
45-prozentige Kapitalbeteiligung an SAMCOR. Neben Ford, Mazda, Land
Rover und Volvo Modellen wurden bei SAMCOR auch Mitsubishi Kleinbusse
montiert, die in Süd-Afrika als Ford Husky verkauft wurden.
1997 begann die Produktion des Ford Fiesta im Montagewerk Silverton.
Später von den südafrikanischen Ford Motor Company of Southern Africa
(FMCSA) Bändern u.a. der Ikon (Fiesta Stufenheck aus Silverton), Bantam
"Bakkie" Fiesta Pick-Up, Territory SUV sowie Focus. Der dort montierte
Ranger Pick-Up wird nach Europa exportiert. Das Werk Straudale bei Port
Elizabeth liefert jährlich rund 250.000 Ranger Motoren, auch für die
Werke in Thailand und Argentinien.
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