Ford China, Hongkong und Taiwan

Ford China 1913

China gilt heute als wichtigster Wachstumsmarkts für die Automobilindustrie. Ford wird am dem 25. September 1913 erlaubt 250 T-Modelle in Schanghai zu verkaufen, wo die allerersten Autos schon 1901 auftauchten. In den frühen zwanziger Jahren lädt Henry Ford chinesische Studenten nach Detroit ein, um dort die Methoden der modernen Massenfertigung kennenzulernen. Noch 1920 verfügt China nur über ein befestigtes Straßennetz von rund 3.000 km, auf dem sich rund 7.000 PKW und 700 LKW, meist Importe aus den USA, tummeln. Eine eigene Fertigung in China hielt Henry Ford vorerst für nicht sinnvoll, da es weder ein flächendeckendes Straßennetz noch zahlungskräftige Kundschaft gab.

Brief von Sun Yat-Sen an Henry Ford
Brief von Sun Yat-Sen an Henry Ford

1924 bietet ihm Sun Yat-Sen, der Begründer des modernen China, an die chinesische Automobilindustrie zu entwickeln. Er äußert sich besorgt, daß ein unterentwickeltes China den Grund für einen neuen Weltkrieg liefern könnte. Ford eröffnet jedoch 1928 in Schanghai nur ein Verkaufsbüro, das bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs betrieben wurde. 1929 beginnt man mit dem Import von Fordson Traktoren aus Irland. Speziell als Taxi war das A-Modell in Schanghai sehr verbreitet, die 4door Karosserien für die über 100 Fahrzeuge wurden lokal gebaut, das Holz dafür wurde aus den Philippinen importiert.
W.C. Cowling aus Dearborn bereist 1930 China, gefolgt von zwei weiteren Ford Mitarbeitern im Jahr darauf. 1932 bittet die chinesische Regierung Edsel Ford Pläne für ein Montagewerk zu erstellen. 

1931 erscheint der erste "Ming Sheng" LKW aus chinesischer Produktion, nur wenige werden gebaut, einige davon für Holzgas Betrieb. Nach der Besetzung der Mandschurei 1937 durch die Japaner, den Wirren des Zweiten Weltkriegs und der kommunistischen Revolution kommt jegliche Aktivität auf dem Gebiet der Fahrzeugproduktion in China praktisch zum Erliegen.

Die Sowjetunion liefert ab 1950 LKWs und vergibt Lizenzen für die chinesische Produktion.  Die ersten Automobilwerke entstanden 1955 in Peking und Changchung. Anfänglich wurden landwirtschaftliche Traktoren, Lastwagen und Busse hergestellt. Die wenigen für höchste Regierungsfunktionäre und Ministerien benötigten Personenwagen wurden aus Russland importiert. Erstes Serienfahrzeug der First Automotive Works (FAW) genannten Firma ist 1956 der Jiefang CA10 (Befreiung), ein Nachbau des sowjetischen ZIS 150 LKW. Zwei Jahre später erscheint der FAW Hongqi (rote Fahne), eine repräsentative Limousine für hochgestellte Funktionäre. Mao ließ sich für seine erste Staatslimousine von der Vedette inspirieren. Mindestens ein SIMCA wurde dazu nach China verschifft.

An der Leipziger Messe 1960 wurde erstmals die imposante Repräsentationslimousine Hong-Qi (Rote Flagge) vorgestellt, und im gleichen Jahr startete man mit der Produktion des Mittelklassewagens Feng Huang (Phönix) in der neuen Fabrik in Schanghai. Doch erst 1968 werden wieder die Vorkriegs-Stückzahlen erreicht. 1974 wurde der Feng Huang mit einer etwas moderneren Karosserie lanciert. Gleichzeitig wurde er in Schanghai SH-760 umgetauft.
Das "Zweite Automobilwerk" - heute Dongfeng - nimmt 1969 die Produktion auf. Hauptsächlich wurden Nutz- und Militärfahrzeuge produziert, privat genutzte PKW gab es bis zur Öffnung Chinas 1980 praktisch nicht.

1972 wird der ehemalige Toyota Montagebetrieb Lio Ho in Chung Li (Taiwan) von Ford übernommen und 1973 wird dort eine Motoren Fertigung aufgenommen. Hier laufen bis heute verschiedene PKW Modelle wie Escort, Cortina und Mondeo vom Band, die auch in den asiatischen Raum exportiert werden.

Henry Ford II und Deng Xiao-Ping
Henry Ford II und Deng Xiao-Ping

1978 trifft sich Henry Ford II als erster Vertreter eines amerikanischen Autoherstellers mit dem kommunistischen Staatspräsident Deng Xiaoping. Im November gründet Ford ein Büro für chinesische Angelegenheiten. Schon bald werden 750 Ford F-Serie in China verkauft.
Die nächsten Jahre sind vom Engagement Volkswagens in Schanghai geprägt. Das 1983 eröffnete Werk liefert noch heute einen Großteil der chinesischen PKW.
1992 erhält Ford USA einen großen Auftrag aus China: 3.010 rote und weiße Ford Tempo und etliche Taurus wurden als Taxen für Touristen geliefert, endeten aber wohl zumeist in den Händen hochrangiger Beamter. Erst im Juni 1993 richtet Ford fünf Händlerbetriebe ein. Ein Jahr später werden drei Joint-Venture zur Komponentenfertigung gegründet.

Interessant ist die Tatsache, daß einige der chinesischen Hongqi CA770G Staatslimousinen Mitte der 80er Jahre mit amerikanischen Ford bzw. Lincoln V8 Motoren gebaut wurden. Der 1995-97 in höchstens 100 Exemplaren gebaute Nachfolger Hongqi CA7465 C8 basiert sogar komplett auf dem Lincoln Town Car. Ab 1998 wurden Lincoln Town Cars zerlegt nach China exportiert und dort als Hongqi CA7460 montiert. Bis auf  ihre Embleme, den Kühlergrill und die Scheinwerfer waren sie nicht vom Town Car zu unterscheiden. Doch die chinesischen Funktionäre wünschten sich immer größere Limousinen. Ihre Hongqi wurden fortan in eigener Regie als längere Stretch-Limousinen gebaut. 2005 steigt Toyota bei Hongqi ein, die Lincoln-Zeit ist damit beendet.

Im Jahr 1995 erwirbt Ford 20 Prozent der Anteile von Jiangling Motors Corporation (JMC). Weitere Komponentenwerke werden gegründet. Fords Anteil bei JMC wird 1997 erhöht und im Dezember laufen die ersten Transit vom Band.

Mondeo China

Die Komponentenproduktion ist mittlerweile zu Visteon ausgliedert worden, doch 2001 wird mit Changan Ford Automobile Corporation in Chongqing ein zweites Joint-Venture gegründet. Ab 2003 wird nun auch der Mondeo in der taiwanesischen Metrostar-Version in Guilin gebaut, der Fiesta rollt in Chung Li vom Band. Der erste Focus aus chinesischer Fertigung folgt 2005.

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