Ford in Polen

1896 wurde in der Warschauer Werkstatt von Stanisław Grodzki erstmalig ein Benz Automobil zum Verkauf angeboten. Im Juni des gleichen Jahres fuhr Grodzki mit einem Peugeot von Warschau nach Paris. Zu den ersten polnischen Autofahrern zählte Graf Karol Raczyński, der 1897 in die belgische Automobilindustrie investierte,

1907 richtete R.M. Lockwood den Vertrieb US-amerikanischer Ford im damals noch zum russischen Zarenreich gehörenden Warschau ein.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Polen unabhängig. Die Warschauer Zentralwerkstatt "Centralne Warsztaty Samochodowe" (CWS) kümmerte sich um die Instandsetzung Tausender im Krieg zurückgelassener Militärfahrzeuge. Danach importierte CWS Ford T-Modelle, die für die polnische Armee umgerüstet wurden. Diese kamen vermutlich aus dem 1919 eingeweihten Ford Werk in Kopenhagen, das u.a. Deutschland, Polen und das Baltikum belieferte.


Ford FTB mit seinem Konstrukteur
Ford FTB mit seinem Konstrukteur

Im polnisch-sowjetischen Krieg 1919/20 setzte die polnische Armee neben Renault Panzern auch Fahrzeuge auf Ford T Chassis ein. Diese unter Leitung von Tadeusz Tański entwickelten Ford FTB (ab 1920 Tf-c) gelten als erste in Polen gebaute Panzerfahrzuge. Die Panzerung bestand aus wieder-verwerteten Stahlplatten, das Fahrgestell wurde f r das höhere Gewicht verstärkt und der Tank verlegt. 16 Stück sollen entstanden sein, die bis 1931 im Einsatz blieben. 1931-33 kam es zur Lizenzfertigung der englischen Carden-Loyd Tankette Mk.VI mit Ford A-, und später FIAT-Motoren. Hiervon sind insgesamt 300 Exemplare gebaut worden.

Nach der Weltwirtschaftskrise ermutigen Steuererleichterungen ausländische Fahrzeughersteller in Polen zu investieren und zu exportieren. FIAT nahm als Erster eine polnische Fertigung auf.

In den 30er Jahren nahm der deutsche Hersteller Stoewer (im heute zu Polen gehörenden Stettin) mit den Kölner Ford Werken Kontakt auf. Es soll Gespräche über einen Verkauf gegeben haben, Stoewer lieferte letztendlich nur Roadster Karosserien für den Ford Eifel. Deren Qualität überzeugte die Kölner nicht, man suchte sich lieber andere Karosseriebetriebe.

Während der deutschen Besetzung Polens im Zweiten Weltkrieg kam es zu Kontakt der Ford Werke mit dem Konzentrationslager Auschwitz. Es ist nicht überliefert, ob jemals Häftlinge aus diesem Konzentrationslager bei Ford eingesetzt wurden. Es mussten allerdings polnische ZwangsarbeiterInnen im Werk Niehl schuften.

Nach Kriegsende begann die "Fabryka Samochod w Osobowych" (FSO = PKW Automobilwerk) mit dem Lizenzbau des sowjetischen GAZ-20 als Warszawa. Der selbst entwickelte 2-Takt Kleinwagen Syrena (Meerjungfrau) folgte. Qualitativ konnte diese Modelle polnische Kunden nicht zufrieden stellen. 1965 begann die Produktion des Polski-FIAT 125p. Es folgten weitere FIAT Modelle, die sogar nach Westeuropa exportiert werden konnten.

In Polen konnten Ford Importfahrzeuge über MotoImpex in Warschau erworben werden, es wurden polnische Prospekte gedruckt. Leisten konnten sich Westfahrzeuge nur Privilegierte. Eine der wenigen Werkstätten GKG Car in Bytom ist seit 1978 Ford Niederlassung. Neben den europäischen Escort, Taunus und Granada Modellen wurde dort sogar der V8 Mustang eines bekannten Fußballers gewartet. Die vielen Schlaglöcher sorgten oft f r Probleme.

Der FSO Polonez 2.0 SLE erschien nach dem Mauerfall 1990 mit dem Ford Sierra 2-Liter OHC Motor. Polen entwickelte sich bald zu einem der größten Ford Märkte in Osteuropa.


Der erste Escort aus Plonsk

Schon 1992 wollte Ford in Płońsk ein Werk für Innenausstattungen errichten, es scheiterte jedoch am Veto englischer Gewerkschaften und die Aufträge gingen an Lieferanten. Am 19. Januar 1995 gab Ford Europa Präsident Albert Caspers auf einer Pressekonferenz im Warschauer Victoria Hotel den Beginn der Automobil Produktion in Płońsk bekannt. Mehrere Dutzend bereits ausgebildeter Näherinnen mussten entlassen werden, andere entschieden sich für die Montagetätigkeit. Ford investierte 54 Millionen Dollar. Das Werksgelände erstreckte sich über eine Fläche von 14,5 Hektar, die ehemalige Autopolsterfabrik nahm 21.430 qm ein, die Montagelinie war 365 Meter lang. Am 29. September 1995 lief der erste Escort vom Band, später wurden auch Transit montiert. Im vermutlich nie profitablen Werk waren zeitweise fast 500 Mitarbeiter beschäftigt. Der letzte von über 53.000 dort komplettierten Wagen wurde am 22. Juli 2000 fertig. Für eine über die CKD Montage hinausgehende Fertigung war das Werk zu klein, zudem hatte GM eine Kooperation mit FSO angekündigt und Volkswagen ein neues Werk in Posen eröffnet. Ende 2002 wurde das ehemalige Ford Werk von einem Elektronikhersteller gepachtet und nach dessen Konkurs von Ford verkauft. Heute befindet sich dort ein Stahlbaubetrieb.

2008 investiert Ford 94 Millionen Euro in das FIAT Werk im schlesischen Tychy (Tichau), wo bis 2016 die zweite Ford Ka Generation auf Basis des dortigen FIAT 500 gebaut wurde.

2017 eröffnet Ford Otosan in Polen ein Ersatzteilvertriebszentrum für LKW Kunden in 17 Ländern eröffnet. Die Arcese Gruppe betreibt in Teresin westlich von Warschau das Ford PKW Ersatzteilzentrum.

Der mit dem VW-Caddy weitgehend baugleiche Ford Tourneo Connect wird heute im Volkswagen Werk Posen gebaut.

Auch ein privates Ford Museum gibt es in Polen: Betrieben wird die Dauerausstellung Muzeum Ford Mobil von einem Batteriehändler.

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