Ford Model Y, Köln

Baujahre: 1932-1935 (in Köln)
Werke: Köln-Niehl, Barcelona (E), Paris (F), Dagenham (GB), Kopenhagen (DK), Yokohama (J), Cork (IRL), Geelong (AUS), Riga (Lettland)
Stückzahl: ca. 192.000 weltweit, davon 157.000 aus England und 10.326 aus Köln
Motor
: 921 ccm Seitenventil Vierzylinder mit 21 PS
Kraftübertragung: Dreigang Getriebe, Hinterradantrieb

Ford Köln 1933
Ford Köln Cabrio-Limousine mit Drauz Karosserie 1933

Henry Ford hatte seine europäischen Aktivitäten nach dem Ersten Weltkrieg auf zwölf eigenständige Unternehmen aufgeteilt. In den 20er Jahren erkannte er jedoch, dass die Tätigkeit dieser Unternehmen koordiniert werden musste, um das Europageschäft effektiver zu gestalten. Mit Blick auf die Art und Weise, wie moderne europäische Unternehmen heute geführt werden, lässt diese Initiative von Henry Ford eine beeindruckende unternehmerische Weitsicht erkennen.
Grundlage der neuen Strategie war die Zentralisierung von Fords Europaaktivitäten in England, wo zu diesem Zweck mit der Ford Motor Company Limited eigens ein neues Unternehmen gegründet wurde. Eine neue Fabrik - „das Detroit Europas“ - die als Drehscheibe für Fords Europageschäft auf urbar gemachtem Marschland in Dagenham in England errichtet wurde, spielte für den „Plan 1928“ eine zentrale Rolle. In dem neuen Werk, das mit dem für die damalige Zeit immensen Kostenaufwand von fünf Millionen Pfund gebaut wurde, lief am 1. Oktober 1931 das erste Fahrzeug vom Band - ein Ford-AA-Lastwagen.

Kurz nach der Einweihung des Betriebs im Mai 1929 begann jedoch die Welt-Wirtschaftskrise. Die Nachfrage nach dem „Model A“, das in der Anschaffung zwar preiswert war, im Hinblick auf die 1920 in England eingeführte Hubraum-Steuer und Unterhalt jedoch relativ teuer, brach ein, und das neue Werk Dagenham setzte in den ersten drei Monaten nur fünf Modell-A-Fahrzeuge ab. Die neue britische Ford-Gesellschaft stand kurz vor dem Aus und rettete sich nur mit dem Verkauf von Nutzfahrzeugen vor dem Konkurs. Die erlahmende Nachfrage in Europa erhielt jedoch Auftrieb durch die Einführung des Modell Y mit vier Steuer-PS nach deutscher Formel, das speziell auf den europäischen Markt zugeschnitten war. Nach nur fünfmonatiger Entwicklungszeit wurde 1932 ein Prototyp des „Model Y“ in speziellen Ford Motor Shows in ganz Europa präsentiert, vieles erinnert an den Morris Eight. Im englischen Werk Dagenham begann die Produktion bereits im August 1932 mit dem 8HP Modell, das bis 1937 weitergebaut wurde. Man brauchte dort dringend ein konkurrenzfähiges Produkt für den überaus erfolgreichen Austin Seven. Der neue Ford "Popular", der 1935 vorgestellt wurde, wurde dort auch "100 Pfund Ford" genannt.
Ein Automobil in nur zehn Monaten vom Reißbrett zur Produktionsreife zu bringen, war eine bemerkenswerte Leistung - die verzweifelte Situation erforderte jedoch außergewöhnliche Anstrengungen. Trotz der raschen Entwicklung hatte der neue Ford bemerkenswerterweise wenig Kinderkrankheiten.

Produktion des Ford Köln im Werk Niehl
Produktion des Ford Köln im Werk Niehl

Im Jahre 1933 stellte Ford-Köln ihre eigene, zweitürige Limousine vor, die "Fordor" Viertürer wurden zuvor noch aus England importiert. Daneben wurden ein zweitüriges Cabriolet und ein Express-Lieferwagen angeboten. Das "Model Y" - erhielt aus verkaufstechnischen Gründen für den deutschen Markt bald die Modellbezeichnung "Ford Köln". Später ergänzen noch ein Roadster und eine Cabriolet-Limousine das deutsche Köln Programm.
Ford warb 1933: "Ford hat einen 4PS-Wagen mit allen technischen Vorzügen größerer Wagen gebaut. Das bedeutet: Qualität der Konstruktion und des Materials, Stabilität, Zuverlässigkeit und Fahrkomfort. Dazu niedriger Anschaffungspreis und minimale Unterhaltungskosten, kurzum: Der Wagen, den sich jeder leisten kann!"

Ford Köln Volkswagen Werbung

Als "Volkswagen" wurde zuvor eine billig-Version mit Kunstleder-Karosserie von Traut ohne Trittbretter und Stoßstangen angeboten. Die Produktion dieses kostengünstigen Wagens wurde ab 1936 auf Befehl aus Berlin verboten. Befürchtete man die Konkurrenz für das staatseigene Volkswagen-Projekt? Technisch ist das Wägelchen recht primitiv: dreifach gelagerte Kurbelwelle, Seitenventilmotor und simples hochbeiniges Fahrwerk. Dies war der Hauptgrund für den mangelnden Erfolg auf dem deutschen Markt. Relativ modern war nur das teilsynchronisierte Getriebe.

Die Visionskraft und der Weitblick von Henry Ford wurden reich belohnt. Ford Britain, das in den Jahren 1932 und 1933 noch Verluste einfuhr, verzeichnete 1934 einen Rekordgewinn von 1,39 Millionen Pfund. Dabei erzielte Ford mit seinem Modell Y in Großbritannien einen Marktanteil von 54 Prozent im Segment bis acht Steuer-PS. Aber auch in Australien und Japan wurde der kleine Ford montiert. Bei Vairogs in Litauen lief er als "Ford Junior" vom Band, in Spanien als "Forito" und in Frankreich unter dem Namen Ford 6CV. Das grundlegende Design hielt sich in Großbritannien noch bis ins Jahr 1959.

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