Henry Ford & Son Ltd. Cork, Irland

Henry Fords Eltern wanderten 1840 während einer irischen Hungersnot nach Detroit aus. Seine Wurzeln liegen also auf dem grünen Eiland. Das 1914 gebaute Anwesen "Fairlane" der Fords in Dearborn wurde nach einem Landstrich nahe Cork (IRL) benannt.
Schon 1907 werden drei Ford N-Modelle auf der irischen Automobilausstellung in Dublin präsentiert. Ein gewisser Mr. Archer erwirbt die Vertriebsrechte für den in Irland zunächst noch unbekannten Wagen. Das ändert sich jedoch rasch, als N-Modelle die Gold-Medaille bei irischen Zuverlässigkeitsfahrten 1907 und 1908 gewinnen.

Auch das T-Modell wird schnell zum Schlager, die Verkäufe verdoppeln sich Jahr für Jahr. 1913 werden schon 600 Ford in Irland an den Mann gebracht.
Am 17. April 1917 wird offiziell die Henry Ford & Son Ltd. In Cork nahe Kilmalooda Parish, dem Geburtsort von Henrys Vater, gegründet. Die fortan berühmte Adresse des Werks lautet: Marina, Cork.  Ab Juli 1919 rollen die ersten Fordson Traktoren vom Band, bis Jahresende werden es 303. Ab August 1921 kommen auch alle Gussteile und Motoren für das Werk im englischen Manchester aus Cork. Bis 1920 handelt sich dabei stets um ein Privatunternehmen der Ford Familie, die sich mit ihren amerikanischen Aktionären zeitweilig überworfen hatte. Den Namen ihres Gründers trägt die irische Firma als einzige weltweit noch bis heute.
Die Traktoren Produktion wird im Dezember 1922 eingestellt und nach der Unabhängigkeit von Großbritannien werden auch keine Teile mehr nach Manchester geliefert.

Fordson Cork 1924
Cork 1924

Im Dezember 1927 verlässt das allerletzte T-Modell weltweit das Band in Cork, bis dahin hatten die Iren 10.341 Tin Lizzie gebaut. Gleichzeitig profitiert das Werk  von einem Großauftrag über Traktoren und Ersatzteile für die Sowjetunion, der Bau der Fordson N Schlepper wird deshalb wieder aufgenommen. Die Qualität ließ jedoch sehr zu wünschen übrig, aus aller Welt häuften landeten Reklamationen in Cork. Nur langsam bekam man die Probleme in den Griff, die oft auch mit mangelndem technischen Verständnis sowjetischer Kolchosebauern zusammen hingen.
Im Jahr 1929 waren es 32.000 Schlepper - bis auch diese Fertigung in das neue Werk Dagenham (GB) transferiert wird.

Ford Modell-Y Cork

1938 feiert Cork das 25.000ste Fahrzeug seit der Umwandlung in ein Montagewerk. 73.000 Ford PKW, LKW und Traktoren insgesamt kamen bis dahin aus irischer Fertigung. Im Februar 1946 läuft ein 10HP Prefect als erstes Nachkriegsfahrzeug vom Band. Dieser Typ wird auch zum beliebtesten Auto Irlands.

1967 werden vier Millionen Pfund für die Erneuerung der Produktionsanlagen in Cork investiert. Cork gehört nun zu den modernsten Werken im neu gegründeten Ford Europa. Zwei Jahre zuvor wurde bereits im nordirischen Belfast ein Werk für Vergaser und Kraftstoff-Systeme gebaut.
1972 erfolgten weitere Rationalisierungen: Cork baut fortan nur noch zwei Modelle: Escort und Cortina, die zusammen 75% der verkauften Ford  in Irland ausmachen. Gleichzeitig werden mehr als 4.000 jährlich nach Großbritannien exportiert.

Henry Ford II zu Besuch in Cork 1977
Henry Ford II zu Besuch in Cork 1977

Mit dem Beitritt Irlands in die Europäische Gemeinschaft entfielen die bisherigen Handelsbeschränkungen. Das Werk Cork war fortan nicht mehr wettbewerbsfähig. Hinzu kam die hohe Inflation und Verluste von über 35 Millionen Pfund. Dennoch dauerte es noch bis 1984, bis die Fertigung endgültig eingestellt wurde. Ford ist auch heute noch eng verbunden mit Cork und die Werksgebäude am Hafen gehören unwiderruflich zum Stadtbild. Später kamen nur noch Einzelteile aus dem Ford Werk in Belfast von der irischen Insel.
1997 wurden die Zulieferwerke von Ford unter dem Namen Automotive Product Operation weltweit in einen eigenen Organisationsstrang zusammengefasst und in Visteon umbenannt. Einbezogen waren auch die deutschen Werke in Berlin, Düren und Wülfrath und die britischen Werke in Belfast, Basildon, Enfield und Swansea.
2009 kommt es zu Besetzung des Werks Belfast durch die Mitarbeiter um höhere Abfindungen zu erstreiten.

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