Cortina 1962
1962 wurden unter dem Codenamen "Archbishop (Erzbischof)" die Arbeiten für einen neuen Ford aufgenommen, der die Lücke im englischen Modellprogramm zwischen Anglia 105E und Zephyr/Zodiac füllen soll. Mit dem Codenamen wollte Ford England Chef Sir Patrick Hennessey den frontgetriebenen "Cardinal" Taunus 12m übertrumpfen, der in der Hierarchie unter einem Erzbischof steht. Später behauptete Ford Köln, daß mit dem Cardinal ein Vogel und nicht das Kirchenamt gemeint war. Zunächst sollte der Wagen auch Consul 225 oder 255 heißen, nach ersten Pressebildern entschied man sich für den neuen Namen. Ford England, deren Werbespruch damals „For sportsman only“ lautete, präsentierte den neuen Cortina spektakulär im Eiskanal von Cortina d’Ampezzo, dem Austragungsort der Olympischen Winterspiele 1956. Mit bis zu 80 km/h stütze sich die Elite des damaligen Motorsports – an der Spitze Formel-1 Stars wie Jim Clark und Jack Brabham – im Ford die Bobbahn herunter.
Der
neue Cortina mit einem Basispreis von
573 Pfund (in Österreich ab 40.370 ö.S., in Deutschland wurde
er nie angeboten) war ursprünglich auf eine Produktion von 100.000
Fahrzeugen
pro Jahr ausgelegt, es wurden aber schon 1963 260.000.
Die dreigeteilten, runden
Rückleuchten hätten
es dabei fast nicht bis in die Serie geschafft erinnert sich Charles
Thompson,
einer der damaligen Stylisten unter der Führung von Roy Brown. Ford Britain gründete im Werk
Dagenham eine neue Konstruktionsabteilung, die mit Hilfe von
Belastungsanalysetechniken, die zuvor nur in der Luftfahrtindustrie
angewandt wurden, eine Karosserie baute, die leichter und stabiler war,
als alle bisherigen Karosserien. Durch die Gewichtsersparnis, die dem
Gewicht eines zusätzlichen Fahrgasts entsprach, konnten die
Entwickler von Ford das Interieur geräumiger gestalten und so eine
neue "C/D-Klasse" schaffen, die die Lücke zwischen dem mittleren
("C") und der großen ("D") Segment schloss und schließlich
etwa ein Viertel aller Neuwagenkäufe ausmachte.
Nach nur 21 Monaten Entwicklungszeit verlässt
am 21. September 1962 der erste Cortina das Band in Dagenham. Schon damals
standen vier verschiedene Versionen mit 1,2 Liter Motor zur Auswahl: Zwei-
und viertürige Limousine, als Standard oder de-luxe Version mit Lenkrad-
oder Knüppelschaltung. Bis Jahresende wurden 67.050 Cortina gebaut.
Das "Saxon"-Coupé blieb ein Einzelstück.
Im Januar 1963 wurde der Cortina Super
mit 1,5 Liter Motor und besserer Ausstattung vorgestellt. Im März
folgte ein "Estate" Kombi und im April der 78 PS Cortina GT.
1964 wurde das Armaturenbrett umgestaltet, für die 1,5 Liter Modell konnte nun ein automatisches Getriebe bestellt
werden und eine neue Innenraumbelüftung wurde eingeführt.
1966 wurde der Millionste Cortina gebaut,
damit wurde er vorerst zum bestverkauften englischen Ford.
Jim Clark im Lotus-Cortina
1966
Lotus-Cortina bei der
East African Safari Rallye in Kenya
Anerkennung gewannen die sportlichen Ableger: der GT und der Lotus-Cortina (mit Lotus DOHC Zylinderkopf). Formel-1 Weltmeister Jim Clark und der bärtige Sir John Whitmore gewannen Tourenwagenmeisterschaften in Großbritannien und auf dem Kontinent. Die vom Ford Motorsport Centre in Boreham eingesetzten Wagen gewannen die harte East Africa und die RAC Rally.
Der Lotus-Cortina war als Teil des Ford "Total Performance Program" von Motorsport Chef Walter Hayes entwickelt worden. Er nutzte die Rennsporterfahrung von Lotus für die Modifikation des Fahrwerks und die Erfahrungen von Cosworth, um den 1,6-Liter Fordmotor zu tunen. Ursprünglich war der Wagen mit einer Lotus Typennummer (J28) versehen und ist in kleiner Stückzahl bei Lotus in Cheshunt von Hand montiert worden. Doch schon bald wurde der "Lotus-Cortina"-Schriftzug ein Symbol für die leistungsstarken Limousinen der 60er-Jahre. Sein geringes Gewicht verdankte er Chapmans Leichtbauweise, bei der viele Bauteile durch Aluminium ersetzt wurden, sowie einer verbesserten Hinterradaufhängung. Die Blattfedern wurden durch Spiralfedern ersetzt. Der Serienmotor wurde gegen ein neues Aggregat mit zwei 40DCOE Weber Doppelvergasern und DOHC Zylinderkopf getauscht. Mit Heckantrieb, einem anderen Getriebe und einer Tieferlegung war der Wagen sowohl für den Motorsport, als auch für den täglichen Straßenverkehr gerüstet.
Diejenigen, die Jim Clark, Graham Hill
und Sir John Whitmore zu ihren Hochzeiten live erlebt haben, werden
dies kaum vergessen. Michael Cooper, legendärer Rennsport-Fotograf
der 60er-Jahre, erinnert sich an Clarks Kontrolle über
den Cortina: "Jimmy wusste, dass ich an einem bestimmten Punkt der Kurve
stand. Jedes Mal, wenn er die Kurve erreichte, brachte er den Wagen absichtlich
ins Driften und meisterte die Kurve in den verrücktesten Fahrtwinkeln
- nur für ein gutes Foto. Obwohl ich meist nur einige Meter von der
Strecke entfernt stand und es damals auch noch keine Absperrungen gab,
hatte ich immer vollstes Vertrauen in seine Fahrkünste."
Ein Vorderrad
in der Luft war völlig normal. Trotz
einem Leistungsmangel, verglichen mit den großen 7-Liter Galaxie
oder
dem 3,8-Liter Jaguar Mk.II, gewann der Cortina mit dem dröhnenden
Cosworth-Motor die British Saloon Car Championship 1964 und 1965.
Das weiß-grüne Lotus Farbschema wurde
1965 (Whitmores europäischer Titel) durch das Rot-Gold des
Alan Mann Racing Teams ersetzt.
Ab 1963
machte Ford den Lotus-Cortina allmählich zuverlässiger und weniger
radikal. Dem ersten Facelift fiel die problembehaftete A-Rahmen-Aufhängung
zum Opfer. Auch die Aluminium-Karosserieteile wurden nun nur noch optional. Das Getriebe
und die Innenbelüftung wurden verbessert, zudem wurde Mitte 1965 die Federung der Hinterachse optimiert..
Die Produktion wurde bis 1966 weitergeführt,
als das erfolgreiche Modell vom weitaus zahmeren Mk. II abgelöst wurde.
Stückzahlmäßig hatte England trotz oft streikender Belegschaft mit über
einer Million produzierten Cortina längst klar gegen den deutschen
Taunus gewonnen.