Flammneue A-Modelle posieren auf
dem Parkplatz vor dem Ford Werk in Köln-Niehl
Es dauerte lange bis Henry Ford überzeugt werden konnte sein Modell T endlich abzulösen. Im Segment der preiswerten Fahrzeuge holte Chevrolet in den USA immer weiter auf und auch Chrysler brachte 1928 mit dem neuen Plymouth einen ernstzunehmenden Konkurrenten auf den Markt. Einige Bundesstaaten wollten sogar das Modell T verbieten, weil es für 'zu gefährlich für den modernen Verkehr' befunden wurde. Was 1909 noch angemessen werden war, war 19 Jahre später überholt. Ford brauchte dringend einen Nachfolger für das T-Modell. In den fünf Monaten zwischen Produktionsende des Modell-T und dem ersten Modell-A stapelten sich 400.000 Bestellungen, obwohl noch kein Kunde das neue Auto kannte. Bis Frühjahr 1928 wuchs dieser Berg auf 800.000 an.
Monate
vergingen, bis man sich auf ein
Motorenkonzept einigen konnte. Endgültig durchgesetzt hat sich
ein
Vierzylinder Seitenventil Reihenmotor. Mit 3,2 Litern war der Hubraum
gegenüber
dem T-Modell nur wenig erhöht worden, doch nun fällt mit 40
PS bei
2.200 U/min doppelt soviel Leistung ab.
Der neue Motor hat Aluminium Kolben, eine
dreifach gelagerte Kurbelwelle mit Gegengewichten und eine
konventionelle Batterie/Spulenzündung. So wurde das A-Modell auch
zum
ersten deutschen Automobil, das mit Aluminium Kolben (von
Nüral)
ausgerüstet wurde. Das Kühlwasser wird nun per Pumpe
umgewälzt.
Das Planetengetriebe mit
Pedalschaltung des Modell-T wird durch ein normales Dreiganggetriebe
mit
Knüppelschaltung ersetzt. Kupplung und Getriebe
ähneln der
Lincoln
Konstruktion. Drahtspeichenfelgen mit Ballonreifen waren
genauso neu wie Trommelbremsen an allen vier Rädern. Auch
hydraulische
Stoßdämpfer, Stoßstangen, Scheibenwischer,
abblendbare
Scheinwerfer sowie ein Anlasser waren nun standard.
Auf einer Probefahrt verletzte sich Harold
Hicks, der maßgeblich den neuen Motor mitentwickelt hatte, bei
einem Unfall schwer. Schuld daran war die Windschutzscheibe. Ford reagierte sofort und alle
Serien A-Modelle bekamen fortan Sicherheitsglas.
Der 38 Liter fassende Tank war integraler Bestandteil
der Stirnwand. Aus Sicht der Fahrzeugsicherheit nicht gerade ideal,
aber
immer noch besser als beim T-Modell, wo die Insassen zum Teil auf dem
Tank
sitzen mußten!
Der
Radstand des neuen Modell A beträgt
2,63 Meter, die Spurweite 1,42 Meter. Der Ganzstahl-Aufbau war
niedriger,
das Gewicht jedoch höher als das der 'Tin-Lizzy'. Die
deutschen Aufbauten
bestanden übrigens noch aus einem blechbeplankten Holzgerippe,
da
in Europa die neue Ganzstahl-Technologie von Ambi-Budd
noch nicht verfügbar
war. Endlich gab es auch wieder verschiedene Lackierungen zur Auswahl.
Die Form des Kühlers erinnert an
den damaligen Lincoln, viele nannten ihn deshalb auch 'Baby-Lincoln'.
Dennoch
lag der T-Modell Nachfolger preislich
mit 395 $ für den Phaeton und 495 $ für den
viertürigen
'Fordor'-Sedan auf ähnlich niedrigem Niveau. In Deutschland betrug der Preis zunächst 3.750 Reichsmark.
Um ein Auto aus 5.580 komplett neuen Teilen bauen zu können waren in bisher nie dagewesenem Umfang Werkzeugänderungen notwendig. Bis auf die Produktion von Ersatzteilen und Motoren wurde die weltweite Fertigung gestoppt. Alle Werke wurden gleichzeitig umgestellt. Das allein kostet Ford rund 250 Millionen $. Die bisherige Fertigungslinie im Werk Highland Park wurde im September 1927 in das Rouge Werk verlegt. Elektrisch geschweißte Verbindungen ersetzten viele Schrauben und Nieten - später überall allgemein üblich.
Die Nachfrage nach dem neuen Modell war so groß, das Ford seine einstmalige Praxis möglichst alles selbst zu fertigen, aufgeben mußte. Lieferanten kümmerten sich nun um die Räder, Karosserieteile, Kolbenringe und Motorenteile wie Wasserpumpen und Verteiler, die Ford zuvor nicht gebraucht hatte.
Die US-Modelle des Modelljahres 1928 werden auch als Modell-AR bezeichnet, sie unterscheiden sich einigen Details wie z.B. den fehlenden Türgriffen außen von späteren A-Modellen.
1929 baute Ford fast zwei Millionen Modell A. Aber nach dem Börsencrash und der anschließenden Weltwirtschaftskrise ging es bergab. 1930 „lifteten“ die Ford-Ingenieure die elegante „Lady“. Durch den schmaleren, höheren Kühlergrill und die längere Motorhaube wirkte sie jetzt noch schnittiger. 1931 fielen die Verkäufe durch die Weltwirtschaftskrise auf unter 630.000. Im August dieses Jahres wurde die Produktion in den USA eingestellt und Anfang nächsten Jahres löste das optisch nur leicht überarbeitete Modell-B das alte Modell ab.

A-Modell Lieferwagen 1931
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