Ford Model A, AF und AR

Baujahre: 20. Oktober 1927 - 1932, in den USA und Kanada bauten 36 Fabriken das Modell-A, im Ausland noch einmal 17, darunter die deutschen Werke in Köln-Niehl (1931/32) und im Berliner Westhafen
Stückzahl: insgesamt  4.849.340, davon 4.320.446 aus den USA und 23.548 aus Deutschland (11.211 aus Köln, der Rest wurde zuvor in Berlin gebaut)
Motor: 3.236 ccm Vierzylinder Reihen-Benzinmotor mit 40 PS; Modell AF: 2.032 ccm Hubraum und 28 PS
Kraftübertragung: Dreigang Getriebe, Hinterachsantrieb

Modell A
Flammneue A-Modelle posieren auf dem Parkplatz vor dem Ford Werk in Köln-Niehl

Es dauerte lange bis Henry Ford überzeugt werden konnte sein Modell T endlich abzulösen.  Im Segment der preiswerten Fahrzeuge holte Chevrolet in den USA immer weiter auf und auch Chrysler brachte 1928 mit dem neuen Plymouth einen ernstzunehmenden Konkurrenten auf den Markt. Einige Bundesstaaten wollten sogar das Modell T verbieten, weil es  für 'zu gefährlich für den modernen Verkehr' befunden wurde.  Was 1909 noch angemessen werden war, war 19 Jahre später überholt. Ford brauchte dringend einen Nachfolger für das T-Modell. In den fünf Monaten zwischen Produktionsende des Modell-T und dem ersten Modell-A stapelten sich 400.000 Bestellungen, obwohl noch kein Kunde das neue Auto kannte. Bis Frühjahr 1928 wuchs dieser Berg auf 800.000 an. 

Monate vergingen, bis man sich auf ein Motorenkonzept einigen konnte. Endgültig durchgesetzt hat sich ein Vierzylinder Seitenventil Reihenmotor. Mit 3,2 Litern war der Hubraum gegenüber dem T-Modell nur wenig erhöht worden, doch nun fällt mit 40 PS bei 2.200 U/min doppelt soviel Leistung ab. Der neue Motor hat Aluminium Kolben, eine dreifach gelagerte Kurbelwelle mit Gegengewichten und eine konventionelle  Batterie/Spulenzündung. So wurde das A-Modell auch zum ersten deutschen Automobil, das mit Aluminium Kolben (von Nüral) ausgerüstet wurde. Das Kühlwasser wird nun per Pumpe umgewälzt. Das Planetengetriebe mit Pedalschaltung des Modell-T wird durch ein normales Dreiganggetriebe mit Knüppelschaltung ersetzt. Kupplung und Getriebe ähneln der Lincoln Konstruktion. Drahtspeichenfelgen mit Ballonreifen waren genauso neu wie Trommelbremsen an allen vier Rädern. Auch hydraulische Stoßdämpfer, Stoßstangen, Scheibenwischer, abblendbare Scheinwerfer sowie ein Anlasser waren nun standard.
Auf einer Probefahrt verletzte sich Harold Hicks, der maßgeblich den neuen Motor mitentwickelt hatte, bei einem Unfall schwer. Schuld daran war die Windschutzscheibe. Ford reagierte sofort und alle Serien A-Modelle bekamen fortan Sicherheitsglas. Der 38 Liter fassende Tank war integraler Bestandteil der Stirnwand. Aus Sicht der Fahrzeugsicherheit nicht gerade ideal, aber immer noch besser als beim T-Modell, wo die Insassen zum Teil auf dem Tank sitzen mußten!

Der Radstand des neuen Modell A beträgt 2,63 Meter, die Spurweite 1,42 Meter. Der Ganzstahl-Aufbau war niedriger, das Gewicht jedoch höher als das der 'Tin-Lizzy'. Die deutschen Aufbauten bestanden übrigens noch aus einem blechbeplankten Holzgerippe, da in Europa die neue Ganzstahl-Technologie von Ambi-Budd noch nicht verfügbar war. Endlich gab es auch wieder verschiedene Lackierungen zur Auswahl. Die Form des Kühlers erinnert an den damaligen Lincoln, viele nannten ihn deshalb auch 'Baby-Lincoln'.
Dennoch lag der T-Modell Nachfolger preislich mit 395 $ für den Phaeton und 495 $ für den viertürigen 'Fordor'-Sedan auf ähnlich niedrigem Niveau. In Deutschland betrug der Preis zunächst 3.750 Reichsmark.

Um ein Auto aus 5.580 komplett neuen Teilen bauen zu können waren in bisher nie dagewesenem Umfang Werkzeugänderungen notwendig. Bis auf die Produktion von Ersatzteilen und Motoren wurde die weltweite Fertigung gestoppt. Alle Werke wurden gleichzeitig umgestellt. Das allein kostet Ford rund 250 Millionen $. Die bisherige Fertigungslinie im Werk Highland Park wurde im September 1927 in das Rouge Werk verlegt. Elektrisch geschweißte Verbindungen ersetzten viele Schrauben und Nieten - später überall allgemein üblich.

Die Nachfrage nach dem neuen Modell war so groß, das Ford seine einstmalige Praxis möglichst alles selbst zu fertigen, aufgeben mußte. Lieferanten kümmerten sich nun um die Räder, Karosserieteile, Kolbenringe und Motorenteile wie Wasserpumpen und Verteiler, die Ford zuvor nicht gebraucht hatte. 

Die US-Modelle des Modelljahres 1928 werden auch als Modell-AR bezeichnet, sie unterscheiden sich einigen Details wie z.B. den fehlenden Türgriffen außen von späteren A-Modellen. 

1929 baute Ford fast zwei Millionen Modell A. Aber nach dem Börsencrash und der anschließenden Weltwirtschaftskrise ging es bergab. 1930 „lifteten“ die Ford-Ingenieure die elegante „Lady“. Durch den schmaleren, höheren Kühlergrill und die längere Motorhaube wirkte sie jetzt noch schnittiger. 1931 fielen die Verkäufe durch die Weltwirtschaftskrise auf unter 630.000. Im August dieses Jahres wurde die Produktion in den USA eingestellt und Anfang nächsten Jahres löste das optisch nur leicht überarbeitete Modell-B das alte Modell ab.

A-Modell Lieferwagen 1931
A-Modell Lieferwagen 1931

In Deutschland wurde zudem das Modell AF gebaut, eine spezielle Version für den europäischen Markt mit kleinerem Hubraum um Kfz-Steuern zu sparen. Innerhalb von nur sechs Monaten war auf einem rund 175.000 qm großen Gelände im Kölner Stadtteil Niehl ein komplettes Automobilwerk errichtet worden - das neue deutsche Ford-Werk, das die erste, wesentlich kleinere Produktionsstätte in Berlin ablöste. Der erste Pkw vom Typ Modell A lief am 2. Juni 1931 vom Band. Schon im ersten Jahr produzierten 619 Belegschaftsmitglieder 6.021 Einheiten. Dabei erwirtschafteten sie einen Umsatz von 27,5 Millionen Reichsmark, mehr als das doppelte der Baukosten des Werkes, die bei zwölf Millionen Reichsmark gelegen hatten. Im gleichen Jahr schickte Ford ein deutsches Modell A auf Reisen, um in 100 Tagen auf einem Rundkurs über Berlin, Leipzig und München 100.000 km abzuspulen. Ununterbrochen fuhr man auf den damals schlechten Straßen, Autobahnen gab es ja noch nicht. Aber es hat geklappt, für exakt 282,50 Mark wurden Ersatzteile verbraucht. Das komplette Auto kostete ein Jahr später nur noch 3.445 Mark. Nach ein paar Wochen war aber wegen der Weltwirtschaftskrise schon wieder Schluss und es dauerte fast ein ganzes Jahr, bis die Produktion neu aufgenommen wurde.

Nur in der UdSSR durfte das A-Modell noch als GAZ (Gorkovsky Avtomobilny Zavod) weiterleben. Bereits 1929 wurden Lizenzverträge unterzeichnet und bis weit in die fünfziger Jahre stellten die russischen Modell-A Derivate einen Großteil der sowjetischen PKW und LKW Produktion.

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